Traditionelle Methoden

Unter den traditionellen Unterrichtsmethoden verstehen wir im WingTsunabgekürzt: WT solche, wie sie vermutlich vor über 300 Jahren, als sich der Legende nach der Stil gegründet hat, im WingTsun etabliert waren und von Großmeister YipMan an Großmeister LeungTing und von diesem an Großmeister Keith Kernspecht weitergeben wurden. Diese Methoden werden auch als das klassische Gerüst im WingTsun bezeichnet.

WingTsun-Formen

Das traditionelle WingTsun-System enthält diverse Konzepte, die aus 4 waffenlose Formen und 2 Waffenformen bestehen:

  1. SiuNimTao-Form
  2. ChamKiu-Form
  3. BiuDji-Form
  4. Holzpuppenform
  5. Langstockform
  6. Doppelmesserform

Dabei dienen diese auf unterschiedliche Situationen abzielenden Bewegungsformen bzw. Soloformen, dem Übenden durch eine Formgebung, in dem vom Anfänger des jeweiligen Konzepts zunächst festgelegte Bewegungen geübt und gelernt werden und dem fortgeschritteneren Schüler offenbart sich durch beständiges Üben das richtige Sich-Bewegen.

ChiSao

Die berühmten klebenden Arme vermitteln dem Übenden im zunächst einarmigen ChiDanSao („DanChi“) Druck- und Reaktionsmöglichkeiten, gesteuert durch den taktilen Sinn. Lässt sich eine Drucklücke beim Gegenüber identifizieren, so wird diese durch eine permanent gehaltene Federkraft augenblicklich ausgenutzt. Ist jedoch die gerichtete Kraft des Gegenübers zu stark, um sie mit dem normalen Druckniveau zu kontrollieren, so lernt der Schüler in dieser Phase, seine eigenen Positionen ohne Kontaktverlust (quasi „klebend“) zu verformen und der gegnerischen Kraft einem Überdruckventil gleichkommend auszuweichen.

Das zweiarmigen PoonSao („die rollenden Arme“) simuliert ein beidarmiges Aufeinandertreffen mit den gegnerischen Armen und die 4 berühmten Grundreflexe (Semireflexe, oder auch Grundreaktionen), mittels derer das gefühlsgesteuerte Ausweichen von der gegnerischen Kraft intensiv geübt und verinnerlicht wird.

Sind diese Grundreaktionen in ausreichendem Maße verinnerlicht, werden über die sogenannten ChiSau-Sektionen (2-Mann-Formen) zunächst in festgelegten Abläufen, aber als Ziel immer frei geübt, wie man in den unterschiedlichsten Situationen und Konstellationen mit der gegnerischen Kraft geschmeidig umzugehen und diese gegen den Gegner selbst zu richten hat.

LatSao

Das LatSao beschreibt die WingTsun-Kampfanwendungen, die im Nicht-Kontakt, d.h. aus dem Abstand beginnen. Hierbei gilt es, die eigenen Positionen zu behaupten, aber wenn diese beim dynamischen Aufeinandertreffen mit der gegnerischen Kraft nicht standhalten, reflex-artig mit Hilfe der im ChiSao erarbeiteten schnellen Anpassungsreaktionen zu kompensieren, bis sich möglichst schnell eine bessere Gelegenheit bietet, durch Gegenangriff die Auseinandersetzung für sich zu entscheiden.

EWTO-Akademie Koblenz | WingTsun-Kampfkunst & Selbstverteidigung | Sifu Jan-Holger Nahler